Spätestens seit der Matrix Trilogie wissen wir, dass es häufig besser gewesen wäre nach dem ersten Teil aufzuhören geschweige denn noch einen dritten Teil dranzuhängen! Doch wir haben nicht vor euch zu langweilen und glücklicherweise gibt es auch genügend Gegenbeispiele, sodass wir euch beruhigt Janosch’s spannende Geschichte zu Ende erzählen können. Ich hoffe ihr habt den ersten Teil gelesen und habt die Story noch im Kopf (wenn nicht, hier ist der LINK zu Teil 1).

Jedenfalls hat es Janosch nach einer ganzen Weile und sehr viel Durchhaltevermögen doch noch geschafft vom Meister in Ungarn in die große Kunst der Messerherstellung eingeweiht zu werden, sodass es für Vater und Sohn fortan in den Ferien nicht an den Strand sondern zur Schmiede nach Ungarn ging um die Kunst der Messerfertigung zu erlernen.

Nach einiger Zeit haben die beiden in der Heimat ein ehemaliges Weizenlager gekauft und dort eine kleine Messerwerkstatt eingerichtet. Und so konnten dann in Ungarn die Rohlinge vorbereitet werden, um sie Zuhause auf der Alb weiter zu verarbeiten. Die beiden haben über die Jahre mehr und mehr dazugelernt und ihre Arbeit zunehmends perfektioniert.

Doch obwohl bereits lange Jahre an Geduld, Ausdauer und harter Arbeit investiert wurden war Janosch’s Weg noch nicht klar, auch wenn man jetzt vielleicht als Leser fast vom Stuhl fällt und in einem viel zu hohen und unnatürlichen Ton „whaaaaat“ schreit. Janosch ging zu dieser Zeit auf das Wirtschaftsgymnasium wo bei ihm auch das Interesse für die Börse und Kapitalmärkte geweckt wurde. Gemeinsam mit einem alten Freund hat er dort nicht nur an der Börsengruppe teilgenommen, sondern auch an gemeinsamen Ideen gesponnen was man gemeinsam starten und aufbauen könnten.

Nachdem er ziemlich erfolgreich in Aktien investiert und die Ausbildung zum Außenhandelskaufmann abgeschlossen hatte, war der Reiz des Geldes und der Karriere dann doch erst einmal stärker als der, der heißen und staubigen Schmiede – wer kann es ihm eigentlich verdenken? Und so hat Janosch zunächst noch einige Zeit für ein Finanzunternehmen gearbeitet und maßgeschneiderte Anzüge und Schuhe getragen anstatt sich Hammer und Ambos zu widmen. Doch das war (Gott sei Dank!) nicht seine Welt und er wollte nicht auf Dauer Robocop’s kleiner Bruder sein und lemmingartig dem Geld hinterherrennen wie all die anderen. Aber diese Entscheidung war schwer und aus der Finanzbranche ausgestiegen, musste natürlich erst einmal auf viel verzichtet werden. Doch er hatte schon damals eine wirklich beeindruckende Sicherheit und nie wirkliche Zweifel ob das mit seinen Messern klappt. Im Nachhinein betrachtet war das die beste Entscheidung seines Lebens und so sitzt uns heute einer der entspanntesten Menschen der Welt gegenüber.

Doch Janosch war noch nicht ganz an seinem Ziel angekommen. Er wollte nicht nur mit „einfachem“ Monostahl arbeiten sondern auch Klingen aus vielen Lagen Stahl, so genanntem Damaszener Stahl fertigen und auch diese Kunst erlenen. Als Janosch bereits Mitte 20 war, fuhr er schließlich eines Tages mit seinem Meister etliche Stunden noch tiefer in die Pampa Ungarns. Dort, wo eigentlich außer freilaufenden Wölfen nichts Besonderes sein konnte, wurde er einem weiteren Meister vorgestellt. Einem echten Schwertmeister! In Japan werden diese Meister wie Halbgötter verehrt, in der Regel außerhalb Japans aber nicht anerkannt -„Kill Bill“ lässt grüßen. So aber nicht bei ihm, denn Janosch ist an einen der ganz wenigen Meister geraten, die außerhalb Japans wirklich akzeptiert werden. Der Meister konnte überraschender Weise sogar etwas Deutsch und hatte ein paar Arbeiten von Janosch gesehen, die ihm schon ganz gut gefielen. Und so haben sich die beiden über die Zeit angefreundet und schließlich schlug auch hier noch einmal das Glück des Tüchtigen zu. Denn nach einer Weile war auch dieser Meister tatsächlich bereit das rare Wissen an Janosch weiter zu geben.

Mittlerweile hat Janosch ein Kochmesser ganz nach seinen Vorstellungen entwickelt und über die Jahre immer weiter perfektioniert – und der Erfolg gibt ihm Recht. Ein Gebrauchsmesser, mit dem man alles machen kann. Mit seinem Albmesser Spezial wurde er so erfolgreich, dass eine kleine Schmiede auf der Schwäbischen Alb sogar Ziel von Hackerangriffen und Industriespionage wurde. Das liegt nicht nur an seiner Schmiedekunst selbst, sondern auch an seiner Herangehensweise. Denn selbst wenn andere Schmieden noch die Fähigkeiten besitzen solche Messer herzustellen, stellen sie häufig nur noch Show- und Vitrinenmesser her und keine richtig guten Gebrauchsmesser.

Und bei Albmesser geht es um die Funktion und den tagtäglichen Gebrauch. Das Messer muss in den verschiedensten Situationen seine Qualität beweisen und nicht nur in der Vitrine gut aussehen und zum Designaward taugen. Die Messer müssen leicht zu Schärfen und gut zum Schneiden sein. Egal ob damit weiches Gemüse geschnitten, Fleisch vom Knochen abgelöst oder es zu filetieren verwendet wird. Die Klingen müssen eine perfekte Kombination zwischen Schärfe, Schnitthaltigkeit und Flexibilität aufweisen – das Magische Dreieck wie wir gelernt haben. Werden in der heutigen Industrie unter riesigen Dampfhämmern teilweise 2000 Klingen gleichzeitig bearbeitet und Messer annähernd vollautomatisiert in rund 20 Arbeitsschritten gefertigt, wird bei Albmesser ein Kochmesser in rund 60 manuellen Arbeitsschritten angefertigt. Für ein Damaszener Messer werden sogar mehr als 200 Arbeitsschritte benötigt und die Klinge besteht aus ganzen 168 Lagen Stahl. Bei der Herstellung gibt es tausende Dinge zu beachten und unendlich viele Stellschrauben.

Überhaupt stellt man sich als Laie den Herstellungsprozess viel zu einfach vor. Dieser zieht sich schon bei „Standard“ Messern über einige Tage.

In den ersten drei Tagen finden die gröberen Arbeiten statt. Zunächst werden die Schmiedepakete hergestellt und zusammengeschweißt. Der dazu verwendete Stahl ist meist sehr alt und vor allem sehr rar. Er wird aus aller Welt beschafft und kommt beispielsweise aus Japan, Finnland, Schweden oder Wien und stammt nicht selten aus Restbeständen alter Meister oder gar deren Väter. Für das ein oder andere Messer wird sogar schon mal ein alter Panzerstahl aus dem Jahre 1920 verarbeitet.Denn mit altem Stahl ist es in etwa wie mit gutem Wein, er wird über die Jahre besser. Dabei ist es für die Qualität enorm wichtig homogenen, unbehandelten Stahl zu verwenden, der nicht schon mal z.B. als Panzerrohr verarbeitet wurde, was wiederum die Beschaffung zu einer schwierigen Aufgabe und zu einer ständigen Gradwanderung macht. Daher ist es ganz und gar nicht gesichert, dass manche Messer in einiger Zeit noch so hergestellt werden können. Die aufgrund der Nachfrage ohnehin schon relativ langen Wartezeiten auf ein Messer von rund einem Jahr verlängern sich daher manchmal noch zusätzlich, da der benötigte, sehr rare Stahl gerade einfach nicht aufzutreiben ist.

Am zweiten und dritten Tag wird der Stahl schließlich ausgeschmiedet und daraus grobe Klingen geschmiedet. An dieser Stelle sind die Klingen aber noch nicht komplett hart. Daher werden Klingen nochmal kaltgeschmiedet und später in einem über 60 Jahre alten, speziellen Härteofen gehärtet. Damit die Farbtemperatur der Klingen besser zu erkennen ist darf kein Licht hereinscheinen, sodass der ganze Prozess nachts durchgeführt wird. Anschließend werden die Klingen in wiederrum speziellen, teilweise über 100 Jahre alten Ölen abgeschreckt. Im Anschluss werden die Klingen in speziellen Begradigungsvorrichtungen eingespannt und kühlen so lange langsam aus, bis sie sich nicht mehr verziehen.

Am nächsten Tag kommen die Klingen dann für einige Zeit in den Wärme-/Anlassofen und müssen im Anschluss nochmal ruhen bis sie sich wirklich ihre Form behalten. Erst jetzt nach vier bis 5 Tagen Arbeit geht es an das Schleifen und Polieren. Die Klingen werden dabei auf über 80 Jahre alten Wasserschleifsteinen geschliffen. Doch auch dann sind die Klingen noch nicht fertig und müssen nach dem groben Schliff erst noch auf einer ebenfalls sehr alten Solinger Poliermaschine aufwendig und mehrmals nach einem alten Verfahren poliert werden. Erst jetzt sind die feinen Klingen fertig und es können die Backen verklebt und vernietet werden um im Anschluss den Griff anzubringen. Für die Griffe werden die verschiedensten Hölzer verwendet. Je nach Kundenwunsch kommen hier „einfachere“, alte Albhölzer wie Zwetschge oder Birne aber auch Ahorn- oder Buchenhölzer zum Einsatz.

Janosch ist zwar Purist und mag es sehr gerne einfach und hat hauptsächlich den Gebrauch und die Funktionalität im Hinterkopf, doch sollte der Kunde das wünschen, dann werden auch schon mal 1000 Jahre alte Mooreiche, 20.000 Jahre alte Mammutknochen oder spezielle Tannenzapfen zum Messergriff gemacht. Sowohl die Griffe als auch die Ledertaschen, in denen später die Messer aufbewahrt werden, werden ebenfalls komplett in Eigenregie von Hand hergestellt.

Was sollen wir noch schreiben, ich glaube ihr erkennt inzwischen selbst, dass Janosch das Messerhandwerk in die Wiege gelegt wurde und er es einfach im Blut hat.

Allein schon die Tatsache, dass Janoschs Großvater mütterlicherseits vermutlich nur deswegen aus dem Krieg zurückgekommen ist, weil er an den Messern der Kameraden kleinere Reparaturen durchführen konnte und später das geschnitzte Holz-Messerchen des kleinen Janosch Jahrzehnte lang über Opas Bett hing wäre wohl schon genug Geschichte für die meisten anderen Stories gewesen – aber bei Janosch war es nur ein Puzzleteilchen seiner Geschichte. Ihr merkt schon, mit jedem Treffen, jedem geschossenen Bild und jedem Wort das wir geschrieben haben waren wir ein Stückchen mehr begeistert von Janosch und seinem Handwerk.

Ok zugegeben, ihn in die Hall of Fame der Superhelden aufzunehmen wäre dann doch eine kleine Überreaktion. Ihn aber zukünftig im selben Atemzug mit Luke, Neo und Daniel San zu nennen dürfte sicher keinen stören – wir freuen uns auf die Verfilmung!!!