Er ist dunkel, tiefgründig und angenehm weich. Er schmeckt malzig-schokoladig und ist weder anstrengend scharf wie so mancher Schnaps, noch ist er wie vielleicht erwartet, süß und aufdringlich oder gar angepasst geschmacksneutral. Er schmeckt kein Bisschen wie ein typischer Likör, sondern entpuppt sich vielmehr als erfreuliche Geschmacksexplosion wie ein guter Sherry oder Portwein, bei dem man sich mit jedem Schluck auf einen anderen Geschmack konzentrieren und freuen kann!

Der HEILAND ist Oberbayer und kommt ursprünglich aus Nandlstadt, einem kleinen Ort im Landkreis Freising, der als ältester Hopfenanbauort der Welt gilt und damit schon mal ganz guten historischen Nährboden für das Projekt bietet. Zwar begann mit Josef „Sepp“ Weiß sogar ein Europapokalsieger (1975 mit dem FC Bayern München) seine fußballerische Karriere in Nandlstadt – der echte Star der Marktgemeinde mit etwas mehr als 5000 Einwohner ist inzwischen aber sicher die Marke HEILAND. Zu verdanken haben wir das drei Heilsbringern, den Zwillingen Max und Stefan sowie ihrem Kumpel Kay.

Vor ein paar Jahren haben sie in der Cocktailbar, in der Stefan damals als Barkeeper gearbeitet hat, eine Bieressenz probiert. Eigentlich war diese nur dazu gedacht in kleinen Dosen Cocktails beigemischt zu werden um ihnen einen besonderen Geschmack zu verleihen. Doch die drei haben sich direkt eine Frage gestellt: Warum gibt es eigentlich in keiner Bar eine Spirituose, die intensiv nach Malz schmeckt? Die Idee war geboren und die Jungs so angefixt, dass sie schließlich damit begonnen haben in ihrer WG-Küche das Rezept für ihren Liqueur auf Bierbasis zu entwickeln. Anderen Orts finden hier höchstens unkontrollierte Experimente an verderbenden Lebensmittel statt – doch die Jungs waren nicht mehr zu bremsen und von da an quasi als Blues Brothers 3.0 in göttlicher Mission unterwegs!

Sieben lange Monate haben sie an ihrem eigenen Rezept gefeilt und ausgetüftelt welche Spirituose, welche Gewürze und welches Bier mit welcher Einkochzeit am besten miteinander harmonieren. Nicht wenig musste anschließend wieder entsorgt werden und die Jungs mussten sich behutsam in kleinen Schritten herantasten. Wahnsinn wie viele Möglichkeiten und Stellschrauben sich hier bieten und wie viele Sackgassen hier freudig-fies grinsend auf einen warten. Erst recht, wenn man dann noch auf die Idee kommt Gewürze wie Curry auszuprobieren – aber gut, hätte ja auch klappen können.

Die Küche sah jedenfalls aus wie ein Schlachtfeld und glich eher dem Morgen nach einer epischen WG-Party zu Ehren der letzten Klausuren im Semester. Aber, sie haben sich trotz vieler Rückschläge ihren Spaß nicht nehmen lassen, akribisch an ihrem Rezept gefeilt und allein ganze zwei Monate nur am Abgang gebastelt. Das kann man heute deutlich schmecken und am Ende hatten die Jungs nicht nur über 100 Rezepte erarbeitet, sondern auch ihren Königsweg gefunden! Zur Herstellung des Liqueurs wird Doppelbockbier und feinster, fassgelagerter Rum verwendet. Der Rum wird im Kessel leicht erhitzt sodass er das Aroma der Gewürze besser aufnehmen kann. Hier kommt nur das Beste in den Kessel und so werden unter Anderem ganze Vanilleschoten mitgekocht, die von einem regionalen Händler mit familieneigenen Plantagen stammen und in keinster Weise dem Zeug gleichen, dass wir aus dem Supermarkt kennen. Das Bier wird parallel zu einer Art Sirup eingekocht und nachdem die Gewürze aus dem Rum herausgefiltert wurden wird das Ganze vermischt und darf dann für ca. 6 Wochen ruhen und reifen.

Auch wenn ein großartiges Rezept gefunden war – bis dahin war das alles noch ein eher ambitioniertes Hobby in das man extrem viel Zeit investiert hatte. Es gab also nur eine logische Konsequenz – im Juli 2014 wurde ein Unternehmen gegründet, ein größer dimensionierter Gaskocher und ein Edelstahltopf angeschafft. Da dies die WG-Küche aber definitiv nicht überlebt hätte musste eine Alternative her. Glücklicherweise hatte eine gute Bekannte in der Nähe eine Industrieküche in der man sich zu den jeweiligen Kochvorgängen einnisten konnte. Eigentlich ein Wunder, dass die Jungs noch nicht eingebuchtet wurden – wenn 3 Jungs mit großem Edelstahltopf, Gaskocher und Kanistern auf einem Anhänger nicht wie ein fahrendes Crystal Meth Labor aussehen weiß ich auch nicht!

An Welcher Stelle der Name entstanden ist wissen wir gar nicht genau. Doch die Inspiration dazu lieferten jedenfalls Mönche, die das Bierbrauen einst perfektionierten und zur Kunst machten – der Heiland hat zweifelsohne Glück gebracht, wenngleich die Stolpersteine natürlich so schnell nicht ausgingen. Wie erklärt man zum Beispiel dem Zoll, dass man Bier einkocht und daher die eingekaufte Menge an Alkohol überhaupt nicht zur weiterverkauften Menge passt? Aber in Zusammenarbeit mit den Zollbeamten konnte auch dieses Problem gelöst werden und obwohl alle nebenher noch studiert oder gearbeitet haben kam der HEILAND gut an und die Mission nahm weiter an Fahrt auf, sodass weiter expandiert werden musste oder besser gesagt konnte – was aber meistens auch nicht ganz reibungslos abläuft. Nicht nur, dass das bisherige Equipment nicht mehr ausreichte und in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule für Brauereiwesen in Weihenstephan erst eine neue spezielle Anlage entwickelt und zusammengestellt werden musste. Die Jungs und ihr HEILAND benötigten auch mehr Platz. Und so wurden geeignete Räume gesucht, umgebaut und ein Kredit aufgenommen. Im Januar 2016 konnten schließlich die neuen Räume bezogen werden und seit April 2016 sind bis auf Max, der noch freiberuflich unterwegs ist, alle Vollzeit für HEILAND tätig.

Die Truppe arbeitet jedenfalls weiter hart dafür etwas richtig Großes aus ihrem einstigen WG-Küchen Projekt zu machen und sind weiter erfolgreich auf ihrer Mission, Menschen mit gutem Alkohol glücklich zu machen. Zuletzt konnte ein neues Büro in München bezogen werden, der HEILAND hat sogar den Sprung auf die Insel geschafft und wird nun auch in Schottland vertrieben. Um in diesen gesegneten Genuss zu kommen müsst ihr aber gar nicht so weit reisen. Ihr bekommt den Doppelbockliqueur unter anderem in der Galeria Kaufhof, den „Kauf Dich Glücklich“ und „Kochhaus“ Filialen und seit neuestem sogar auf den Tui Cruises.