Möbelstücke des 21. Jahrhunderts sind entweder weiß oder schwarz. Müssen mit Hilfe schlecht übersetzter Bedienungsanleitung, mitgeliefertem Mini-Imbusschlüssel und Gummihammer nervenaufreibend zusammengebaut werden. Sie haben eigenartige Namen, überleben meist genau einen Umzug und die Chance ist relativ groß, dass beim Nachbarn dasselbe Möbelstück sein Dasein fristet. Die Anschaffung wird zum Samstagsausflug für Pärchen und ist Albtraum jeden Mannes – bestünde da beim ein oder anderen Hersteller nicht wenigstens die Aussicht auf Hot Dog und kalte Cola.

DSCF0700

Soll es etwas außergewöhnlicher sein, so wird gerne einfach künstliche Patina erzeugt, was heutzutage mit relativ einfachen Mitteln möglich ist – und man muss zugeben, oft sieht man auf den ersten Blick nicht mal einen großen Unterschied. Etwas Krakelierlack auftragen, ein wenig rumschleifen und schon ist es retro.

Zugegeben, das Ganze ist etwas überspitzt dargestellt und auch bei uns steht das ein oder andere schwedische Möbelstück. Zumal die Schrankwand aus Eiche Massiv bei den Großeltern für etwas Abwechslung zwischen den Wohnzimmern sorgt. Und auch wenn es wirklich (und ganz ehrlich) halb so schlimm ist, dass viele Wohnungen wie aus dem gleichen Katalog aussehen und auf retro gestylte Möbel optisch teilweise wirklich etwas her machen – irgendwie fühlt es sich dann trotzdem nicht richtig an. Das Holz und somit auch das Möbelstück bleibt glatt, uninteressant und langweilig. Auch wenn es uns äußerlich vielleicht etwas anderes verkaufen möchte. Wie viele Vergleiche würden uns jetzt einfallen, aber das ersparen wir uns und überlassen das eurer Fantasie. Der ein oder andere entsprechende C-Promi fällt euch sicher auch ein!

DSCF0712

Dabei brauchen wir vielmehr Möbelstücke à la Tom Waits oder Clint Eastwood. Egal ob Tisch, Stuhl oder Bett, wir brauchen Möbel mit Furchen, Kratzern, Patina, Ecken und Kanten. Und hier kommt Kesselholz Design ins Spiel! Zwei Jungs, denen bei unserem Gespräch eigentlich nur eins besonders am Herzen liegt – zu erwähnen, dass sie ausschließlich mit alten und seltenen Materialien arbeiten, nichts ist auf alt gemacht sondern alles original.

Darum horten sie stapelweise wahre Schätze in einem kleinen Lager. Von alten Balken und Brettern bis hin zu Benzinkanistern, Seilen und sonstigem Kram von dem man zu Beginn nicht immer ganz genau weiß, was man damit später eigentlich anfangen soll. Alles was das „Upcycler-Herz“ begehrt ist fast im Überfluss vorhanden und wartet auf eine neue Bestimmung. Wobei, auch hier ist es Matthias und Alex gar nicht so wichtig das „Upcycling“ in den Vordergrund zu stellen. Den beiden geht es weniger darum „Gutmensch“ zu sein und Weggeworfenes wieder zu verwerten als dass sie einfach völlig begeistert von Patina und alten Materialien sind. Ihre kleine Sammlung ist über die Jahre entstanden. Sie haben mehr und mehr Kontakte geknüpft, Quellen entdeckt und werden inzwischen auch schon mal angerufen, wenn jemand alte Dinge loswerden will und keine Verwendung mehr dafür hat. Und so kann es auch schon mal vorkommen, dass man über Wochen fachmännisch einen alten Schuppen abreißen darf und dafür das Holz zum Verarbeiten bekommt.

DSCF0704

Angefangen hat alles in der Studienzeit mit einem fehlenden Geburtstagsgeschenk. Aus Ermangelung eines anständigen Geschenks bauten Matthias und Alex, zwei alte Freunde schon aus Kindheitstagen, kurzerhand ein Whisky Regal. Da man zu dieser Zeit als Student sich vom letzten übrig gebliebenen Groschen eine kleine Whisky Sammlung zulegen musste sprach sich das natürlich schnell rum und im Nu hatten die beiden Studenten (Erneuerbare Energien und Maschinenbau) ihre ersten Aufträge. So begannen die beiden Autodidakten Möbel zu bauen.

Danach wurde viel ausprobiert und es folgten Betten, Schränke, Regale und allerlei Möbel. Nicht alles gelang auch immer. Da aber jedes Möbelstück, gelungen oder nicht, zu einer steilen Lernkurve führte, setzte man mit kindlichem Forscherdrang à la Curiosity Show (die Kinder der 80er werden wissen was ich meine) nahezu jede Idee auch in die Tat um. Werkzeug besorgt und einfach gemacht! Denn schließlich muss man doch auch Holzmaschinen bedienen können, wenn man im Studium mit Metallmaschinen klarkommt.

Dies hat die beiden dahin geführt, wo sie heute stehen. Seit den Anfängen in 2009 ist nun aus Spiel Ernst geworden und seit zwei Jahren baut man als „Kesselholz Design“ kreative Möbel aus allerlei Altem. Inzwischen ist man im Hobbyhimmel, einer Mietwerkstatt in Stuttgart Feuerbach zu Hause und unterstützt nebenbei auch dieses Projekt.

DSCF0721

Am Rande sei bemerkt, dass auch dies ein wirklich tolles Konzept ist, das Vielen die Möglichkeit gibt ihr Hobby auszuüben, mit Leidenschaft Dinge herzustellen und vielleicht auch etwas dem Alltag zu entkommen um etwas mit seinen Händen zu erschaffen. Sei es um einen der vielen Kurse vom Schweißerkurs bis hin zum Upcycling-Kurs (übrigens durchgeführt von den Kesselholz Jungs) zu belegen oder dem Erstgeborenen genau die Kinderwiege zu bauen, die er wirklich verdient. (Hier könnt ihr euch die Angebote des Hobbyhimmels anschauen, die Mitgliedschaft gibt’s schon ab 20 € im Monat).

Dort entstehen nun mit viel Leidenschaft und Liebe zum Detail hauptsächlich Auftragsarbeiten, aber auch Kleinserien, die inzwischen so schnell vergriffen sind, dass sie es kaum in das Lager schaffen. Von Tischen, Schränken oder Betten bis hin zum Messe- und Ladenbau oder Sonderanfertigungen, alles wird mit deutscher Ingenieurskunst genauestens geplant und wenn nötig, zuerst im CAD-Programm auf dem Laptop ausgetüftelt, bevor es in die Tat umgesetzt wird. Hier können die beiden den Ingenieur in sich herauslassen und das im Studium gelernte anwenden. Jeder Auftrag wird mit so viel Begeisterung und Einsatz umgesetzt, dass jede noch so unrealistische Deadline gehalten wird, auch wenn dafür mal eine etwas längere Schicht notwendig ist und vermutlich nicht mal der Auftraggeber selbst wirklich daran geglaubt hat.

DSCF0702

Wir hoffen die Jungs drücken ihren einzigartigen Kreationen weiterhin ihren Stempel auf und inspirieren weiterhin Andere dazu, es ihnen gleichzutun. Wir hoffen auf weitere Gallische Dörfer gegen die Langweiler-Möbelindustrie. Der ideale Anfang wäre da zum Beispiel ein Kurs im Hobbyhimmel. Weitere Infos über Kesselholz Design erhaltet ihr hier.

Photo Credits: Marc Schwarz