Manche von uns haben das große Glück früh ihre Bestimmung zu finden und eher ihrer Berufung als ihrem Beruf nachzugehen. Eine Aufgabe, die sie bis auf wenige Ausnahmen, jeden Tag voller Motivation und Vorfreude in die Werkstatt, den Laden oder ins Büro fahren lässt. Sebastian von Timeless Leather ist so ein Glückspilz! Sein Werdegang hat sich im Nachhinein betrachtet schon sehr früh abgezeichnet – auch wenn dieser Weg, wie meistens im Leben, nicht der direkte Weg war.

Die meisten von uns verdienen ihr erstes eigenes Geld in jungen Jahren an der Supermarktkasse und kümmern sich um die verstopften Pfandrückgabeautomaten, verkaufen Popcorn an der Kinokasse oder sorgen dafür, dass der Anteil an Ausschuss im metallverarbeitenden Gewerbe ansteigt. Glücklicherweise ist Sebastian gegenüber einer Sattlerei aufgewachsen und so hat es sich irgendwann ergeben, dass er bereits mit elf oder zwölf Jahren mit Leder in Berührung kam und dort sein erstes Taschengeld verdient hat. Aber, manchmal bedarf es im Leben einfach einiger Irrwege damit man seine Bestimmung erkennt und noch viel wichtiger, sie aufgrund gemachter anderer Erfahrungen auch zu schätzen weiß.

Und so hat er erst eine Ausbildung als Maschinenschlosser absolviert bevor er erkannte, dass ihn das nicht glücklich macht und er, um sich morgens nicht aus dem Bett quälen zu müssen, etwas Kreatives braucht. Etwas, dass er mit Herzblut und seinen Händen erschaffen kann – denn die Zeit ist zu schade und das Leben zu kurz und kostbar um acht Stunden am Tag etwas zu machen, was einem wenig bis keinen Spaß bereitet.

Im Anschluss an seine Tätigkeit als Maschinenschlosser zog es ihn also vom harten und kalten Stahl zurück zum weichen und warmen Leder. Bevor es jedoch zu Timeless Leather kam hat er erst noch einige Jahre als Sattler gearbeitet und sich mit seinem Bruder selbständig gemacht. Timeless Leather ist schließlich 2012 entstanden und mit einer Werkstatt gestartet. Inzwischen betreibt Sebastian schon seit drei Jahren auch einen kleinen, toll mit Holzmöbeln eingerichteten Laden in Bonn, in dem es wundervoll nach Leder riecht und in dem man seine Werkzeuge bestaunen kann.

Sebastian wird bei seiner Arbeit lediglich von einem Mitarbeiter unterstützt. Nicht zuletzt, weil der Beruf leider nur noch sehr wenig ausgebildet wird und die benötigten Qualifikationen sehr schwer zu finden sind – erst Recht, wenn man Mitarbeiter sucht, die ebenfalls mit Überzeugung dabei und nicht auf der Suche nach einem 9 to 5 Job sind, der nur dazu dient, die Rechnungen zu bezahlen. Auf keinen Fall vergessen darf man aber seine Frau! Wie so häufig steht zwar auch sie meist im Hintergrund, ist aber dennoch maßgeblich für den Erfolg von Timeless Leather verantwortlich, da sie ihm den Rücken freihält, als helfende Hand zu Seite steht und ihm bei allen Dingen hilft, die sich sonst unendlich auf dem Schreibtisch stapeln würden.

In seiner kleinen Werkstatt fertigt Sebastian neben allerlei Auftragsarbeiten Geldbeutel, Gürtel, Hosenträger und Accessoires wie Armbänder oder Schlüsselanhänger. Das rein pflanzlich gegerbte Leder hierfür stammt überwiegend aus Gerbereien in Deutschland, wo es auch zugerichtet und gefärbt wird. Alles soll so lokal wie möglich bezogen werden. Da dies aber nicht immer ohne weiteres möglich ist, stammt das Pferdeleder aus England oder Italien, wo auch die Gürtelschnallen überwiegend hergestellt werden. Die Geldbeutel werden aufwendig auf alten Maschinen aus den 1960ern gefertigt und um einen, eigentlich so einfachen, Gürtel zu erschaffen benötigt er gut zwei Stunden –  alles daran ist komplett von Hand genäht.

Zwar kann auch er, wie die meisten, mit denen wir uns in letzter Zeit unterhalten haben, ein Umdenken in der Gesellschaft feststellen. Man kauft inzwischen lieber einmal richtig, anstatt jedes Jahr einen Gürtel aus Lederimitat entsorgen zu müssen, weil er gerissen ist oder sich die einzelnen Schichten voneinander lösen. Dennoch ist gerade bei der Laufkundschaft häufig noch ein wenig Überzeugungsarbeit notwendig, bevor den Leuten klar wird, wieviel Arbeit in einem solchen Stück wirklich steckt und der Preis somit vollauf gerechtfertigt ist. Im Nachhinein betrachtet konnten selbst wir uns das nicht richtig vorstellen, bis wir letztes Jahr im Herbst von unseren Freunden von Heldbergs zu einem Gürtelworkshop eingeladen wurden und dort selbst einen Gürtel von Hand nähen durften. Stundenlang haben wir versucht eine halbwegs saubere Naht hinzubekommen, die nicht bei der kleinsten Belastung wieder aufgeht und dabei unter äußerster Anstrengung viel Schweiß und irgendwann sogar Blut vergossen. Selbstverständlich geht das einem Profi wie Sebastian inzwischen viel leichter von der Hand, dennoch waren die Blasen an unseren Fingern für uns Beweis genug, dass man eben nicht mal kurz in ein paar Minuten einen qualitativ hochwertigen Gürtel herstellt und solche eine Qualität eben ihren Preis haben muss!

Ähnlich wie bei seinen Produkten und Lieferanten legt Sebastian auch bei seinen Partnern viel Wert auf „Klasse statt Masse“. Bei den langfristig ausgelegten Kooperationen müssen die Inhaber Sebastians „Geist“ teilen, ebenso begeistert sein und nicht zuletzt muss das Produkt zum Rest des Sortiments passen. Und so sind die Produkte inzwischen zwar in Deutschland und der Schweiz auch bei Retailern zu erhalten – aus oben genannten Gründen aber eben nur bei wenigen ausgesuchten Partnern.

Sebastian ist zweifelsohne einer der Besten seiner Zunft, denn er liebt den Werkstoff. Liebt es, das Leder zu fühlen und damit zu arbeiten. Nicht ohne ein kleines Lachen im Gesicht erzählt er uns, dass er sich noch gut an die Zeit als Maschinenschlosser erinnern kann und die Entscheidung jederzeit wieder treffen würde. Wir wünschen ihm, dass er sich weiterhin jeden Morgen voller Vorfreude auf seine Werkstatt und seinen Laden aus dem Bett schwingt und sich seine Begeisterung beibehalten kann.