Schnaps ist etwas für alte Leute, für unseren Opa – eventuell noch für unseren Vater. Dass das nicht schmecken kann sieht man schon am schrecklich verstaubten Design, das vermutlich seit 1952 nicht mehr verändert wurde. Neue Inhaltsangaben wurden einfach mit einem, von Hand beschriebenen, Aufkleber notdürftig überklebt. Schnaps schmeckt ja auch keinem und dass er nach dem Essen zur besseren Verdauung dienen soll ist erwiesener Maßen ein Gerücht. Die Selbstgebrannten bergen zudem noch die Gefahr blind zu machen – besten Falls verätzt es einem nur die Speiseröhre. Dieses Gefühl sein eigenes, ganz persönliches Kryptonit gefunden zu haben kennt vermutlich jeder von uns. Auch ich war mir das ein oder andere Mal, zumindest kurzfristig, überhaupt nicht mehr sicher ob ich nicht gerade dabei bin mein Augenlicht zu verlieren.

Aber das ist nur ein Vorurteil und leider das weitläufige Image von Schnaps – ein aus unserer Sicht völlig falsches Image! Doch die Anzahl der Schnapstrinker und damit auch die Anzahl der Brennereien nimmt schon seit Jahren ab. Eine Renaissance ist derzeit nicht in Sicht. Im Moment stürzt man sich lieber darauf, in jedem Dorf ab 5000 Einwohnern eine eigene Craft Bier Brauerei zu haben oder einen eigenen Gin auf den Markt zu bringen – von gutem, klassischen Schnaps ist weit und breit nichts zu sehen obwohl wir dafür eigentlich alle Voraussetzungen hätten. Schließlich ist Schnapsbrennen gerade in Süddeutschland eine uralte Tradition. Bereits 1726 wurde vom Bischof von Straßburg allen Untertanen gestattet Kirschen zum Eigengebrauch zu brennen.

Die heutige Gesetzesgrundlage geht auf die 1922 vorgenommene Gesetzesänderung des 1918 erstmalig erlassenen Branntweinmonopolgesetzes zurück. Somit gelten für Klein- und Obstbrenner auch heute noch die fast 100 Jahre alten Bestimmungen. Für Kleinbrenner ist die jährliche Menge auf 300 Liter Alkohol gesetzlich limitiert und der Brennkessel darf lediglich eine maximale Füllmenge von 150 Litern aufweisen.

Klein- und Obstbrenner sind hauptsächlich in Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz anzutreffen. Allein die Streuobstwiesen in Baden-Württemberg zwischen Neckar und Alb bilden mit einer Fläche von etwa 26.000 ha und ca. 1,5 Millionen Obstbäumen eine der größten Streuobstlandschaften Europas. Doch für die Zukunft vieler Kleinbrenner sieht es ziemlich düster aus und die Gewitterwolken sind nicht erst seit gestern deutlich am Horizont zu sehen. Grund dafür ist das Ende 2017 auslaufende staatliche Branntweinmonopol, was unter anderem zur Folge hat, dass anfallende Steuern nicht mehr mit Alkohol bezahlt werden können. Seit Jahrzehnten subventionierte der Staat kleine Brennereien dadurch, dass er ihnen den Alkohol zu horrenden Preisen abkaufte, die so am Markt nicht zu erzielen sind.

Auch wenn diese Praxis, die Steuern zu entrichten, in den letzten Jahren rückläufig war und nicht jede Brennerei dies so gehandhabt hat ist es dennoch fraglich, wie viele kleine Obstbrennereien das nächste Jahr überleben werden – Kreativität ist gefragt um den produzierten Rohalkohol loszuwerden damit die nicht ohnehin schon zurückgehende Anzahl der kleinen Obstbrennereinen noch weiter drastisch sinkt!

Tradition, Jahrzehnte altes Wissen sowie alle notwendigen Anlagen und Gerätschaften – eigentlich ist alles vorhanden. Aber, Schnaps bleibt häufig verachtet und uncool! Auf die Idee daran etwas zu ändern kamen Jonas Vietense und Michael Rathgeb – sie sind sozusagen in guter Mission unterwegs. Beide sind eigentlich nicht aus der Spirituosen Branche und verdienen ihren Lohn als Grafikdesigner oder im Marketing und haben mit ihrem Vorhaben absolutes Neuland betreten. Aber sie wollten diese alte Kultur wiederbeleben und eine neue und moderne Marke erschaffen. Mit Torschnaps und ihrer ersten, auf 333 Stück limitierten, Edition ist ihnen das gleich hervorragend gelungen.

Der Weg dorthin war allerdings nicht ganz so leicht, auch wenn das Projekt schließlich schnell umgesetzt wurde. Bei vielen Brennereien ist man zunächst auf Unverständnis gestoßen. Häufig wurde nicht verstanden warum es eben nicht das Ziel sein kann, das bereits bestehende Standardprodukt einfach nur in andere Flaschen abzufüllen und dem Kind einen anderen Namen zu geben. Nach langer Suche nach einem geeigneten Partner, der sich auf die beiden einlässt und Lust darauf hat ein neues Produkt zu entwickeln, sind die beiden auf das Weingut Zimmerle in Korb gestoßen. Ein renommiertes und alt eingesessenes Weingut, das bereits seit 1647 existiert und in dem die beiden den idealen Partner zur Verwirklichung ihres Projekts gefunden haben.

Daraus entstanden ist ein wirklich edler, fruchtiger und sehr milder Obstbrand in modernem Gewand. Gebrannt wird der Torschnaps aus Mirabellen von schwäbischen Obstwiesen – etwa 10% werden zuvor drei Jahre lang in Eichenfässern gelagert, was dem Schnaps das gewisse Etwas verleiht ihn aber nicht zu aufdringlich und schwer werden lässt. Zugegebener Maßen, er ist nicht ganz billig. Doch die aufwendige Herstellungsweise rechtfertigt den Preis voll und ganz. Nicht nur, dass das verwendete Obst feinsäuberlich handverlesen wird – auch die Etiketten, des an die Waben eines Fußballs angelehnten Designs, werden einzeln von Hand aufgeklebt.

Zudem können wir garantieren, dass er jeden Cent wert ist. Was das angeht könnt ihr uns vertrauen, wir haben schon den ein oder anderen Schnaps probiert – der Torschnaps ist geschmacklich ganz weit vorne! Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die erste Auflage bereits fast ausverkauft ist. Weitere Auflagen und Projekte mit anderen Brennereien sind derzeit bereits in der Planung und wir dürfen gespannt sein, was die beiden als nächstes aus dem Hut zaubern!

Wir jedenfalls wünschen uns, ohne den Beiden Konkurrenz an den Hals zu wünschen, dass sich noch viel mehr Leute daran ein Beispiel nehmen und an dieser Mission beteiligen – Making Schnaps great again!

 

Photo Credits: Torschnaps