Wenn wir uns eine Geschichte stricken dürften, sozusagen DIE perfekte Craftwort-Story. Am besten gleich mit dem Potential das Ganze im Anschluss mit Ryan Gosling in der Hauptrolle verfilmen zu lassen, dann sähe sie ungefähr so aus…

 

Wir würden einen kleinen Jungen mit einem großen Traum nehmen, der natürlich erst einmal nicht in Erfüllung geht. Der Junge müsste lange Jahre hart dafür kämpfen und so manchen Irrweg gehen und erst so manche harte Erfahrung machen bis er am Ziel ankommt.

Einmal am Ziel hätte er dann letztlich unheimliches, aber wohl verdientes Glück. Er schafft es Meister seines Fachs zu werden und er wäre natürlich trotzdem noch einer der entspanntesten Typen überhaupt. Ein Typ, der weiß worauf es im Leben ankommt und den keiner mehr von seinem Weg abbringt. Für noch etwas mehr Theatralik würden wir das ganze Schauspiel natürlich irgendwo an einem kleinen Ort in der Wallachei stattfinden lassen und nicht irgendwo in einer Großstadt oder gar einer Metropole wo man so etwas vielleicht noch erwarten würde. Haben wir noch was vergessen? Ach ja, seine Kunst und Fähigkeiten dürften natürlich nichts Uncooles oder Unmännliches wie Origami-Vögel falten oder Triangel spielen sein.

Ich hoffe, ihr nehmt uns was jetzt kommt noch ab. Denn im Film würde jetzt die Einblendung kommen: „Das alles hat sich tatsächlich so ereignet – der Film beruht auf wahren Begebenheiten“. Nicht, dass wir auf unserem bisherigen Weg auch nur einem einzigen langweiligen Menschen begegnet wären, ganz im Gegenteil! Aber nun sitzen wir vor einem super entspannten Typen auf einem Sofa im Keller, quatschen über seine Leidenschaft und das Leben und realisieren so langsam, dass wir besser ein Buch über die Geschichte als einen kurzen Artikel schreiben sollten. Seine Geschichte haben wir bereits in der episch langen Einleitung zusammengefasst. Sorry dafür, aber mit solchen Geschichten kann man nicht einfach in die Tür fallen. Und wenn wir das hier nicht ausbreiten würden, dann hätte man bei Star Wars auch die Lauftexte weglassen können und die Herr der Ringe Filme in Tatortmanier in nur 90min erzählen können. Daher wird das auch unser erster Artikel, der in zwei Teilen erscheinen wird. Doch genug der ausschweifenden Einleitung…

Der kleine Junge mit dem einstigen Traum heißt Janosch Vecernjes und ist inzwischen 35 Jahre alt. Er wohnt auf der beschaulichen Schwäbischen Alb abseits jeglichen Trubels und hat es als Messerschmied mit seinen Albmessern sehr weit gebracht. Es gibt inzwischen nur noch sehr wenige, die die hohe Kunst der Messerherstellung so perfekt beherrschen und zudem noch Messer für den Gebrauch und nicht nur für die Vitrine herstellen (können).

Die Filmreife Geschichte beginnt damit, dass bereits sein Vater Karl im Kindesalter versucht hat aus Nägeln, die er in einen Ofen geworfen hat, Klingen zu schmieden. Nachdem die Familie später von Ungarn in die Nähe von Mössingen gezogen ist und er auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle war, musste Janoschs’ Vater jedoch schnell feststellen, dass schon damals die traditionelle Schmiedekunst in der Gegend nahezu ausgestorben war. So begann er später eine Ausbildung als Maler und Lackierer und arbeitete als Restaurator anstatt wie erträumt Schmied zu werden. Dieser Traum blieb zwar noch unerfüllt aber bereitete Janosch bereits den Weg und hat ihm das Ganze Wohl in die Wiege gelegt.

Obwohl sein Vater über die Jahre weiter mit dem hiesigen Stahl experimentierte, haben die Messer zunächst nie die Qualität erreicht, die er aus seiner Heimat Ungarn kannte.

Viele Jahre später, als Janosch bereits 10 Jahre alt war, ist die Familie schließlich in ein ehemaliges Ferienhaus eines alten, traditionsreichen Schuhherstellers gezogen. Zum Haus gehörte ein kleines Gartenhäuschen, welches glücklicherweise noch eine kleine Schuhmacherwerkstatt mit Polier- und Schleifmaschinen hatte.

Dort haben Vater und Sohn erst damit begonnen Klingen zu polieren und dann 3-4 Jahre später im Baukastenprinzip Taschenmesser zu bauen. Aber das Problem blieb das gleiche, auch hier war es unmöglich die angestrebte Qualität zu erreichen, die sie aus Ungarn kannten und so hätten die beiden fast schon aufgegeben. Als jedoch kurz darauf die Oma ein Ferienhaus in Ungarn gekauft hatte, brachte sie den beiden Gemüsemesser mit. Optisch zwar mit mehr als fragwürdigem Design ausgestattet, wiesen die Messer jedoch eine tadellose Qualität auf. Dem wollten die beiden natürlich auf den Grund gehen und so sind sie direkt aufgebrochen und die exakt 1000km mit dem VW Bus nach Ungarn gefahren.

Doch das hatten sich die beiden zu einfach vorgestellt und der Enthusiasmus musste erst einmal der Ernüchterung weichen. Denn der „Schmied“, den sie in der einfachen Werkstatt antrafen, war nicht irgendwer. Er ist ein Meister mit Wissen, dass über Generationen weitergegeben wurde und einer der ganz wenigen, die überhaupt noch in der Lage sind Messer in solcher Perfektion zu fertigen. Schon sein Vater hatte bei Solinger Meistern gelernt und wer kann es ihm da verdenken, dass die streng gehüteten Geheimnisse der Messerherstellung nur von Generation zu Generation an den Auserwählten der Familie weitergegeben und nicht jedem offenbart werden nur, weil er mal eben 12h mit dem Auto angereist ist. Die beiden waren also nicht ganz so erfolgreich wie vielleicht erhofft, aber immerhin einen ersten kleinen Erfolg konnten sie verzeichnen. Sie konnten ihm ein paar einfache Klingen abringen, die sie später Zuhause mit Griffen versehen und weiter veredelt haben.

Die wenigen Messer, die sie aus den ergatterten Klingen hergestellt haben wurden an begeisterte Gastronomen in der Region weitergegeben und weil das so gut ankam, mussten die beiden gleich 3-mal im selben Jahr zum Meister nach Ungarn pilgern. Irgendwann kam ihm das aber natürlich auch komisch vor und er wollte wissen, was die beiden denn in Deutschland mit den ganzen Klingen treiben. Nachdem sich der erste Schock über das, aus seiner Sicht, stümperhafte handwerkliche Treiben der beiden gelegt hatte, hatte er aber ein Einsehen. Und so war der Meister bereit den beiden wenigstens beizubringen, wie sie aus seinen Klingen gute Messer herstellen können und wie man sie fachmännisch nachpoliert und nachschärft.

Doch der wissbegierige Junge aus Deutschland wurde zunächst nicht so 100%ig ernst genommen und mangels Sprachkenntnissen entwickelte er sich eher zum Profi Karpfen-Angler und Fischsuppen Weltmeister als zum Messerschmied. Doch auch hier hat sich nach und nach seine Beharrlichkeit ausgezahlt und der Meister erkannte den Willen und wirklichen Wunsch des Jungen, die große Kunst der Messerherstellung zu erlernen. Und auch wenn es hier, wie so häufig im Leben, noch der ein oder anderen glücklichen Fügung bedurfte – irgendwann wurde Janosch zum Auserwählten und als würdiger Nachfolger anerkannt. Und so ging es für Vater und Sohn in den Schulferien nach Ungarn um das Messermachen zu erlernen, während andere nach Holland oder an den Gardasee gefahren sind um sich auf die faule Haut zu legen.

Weil Janosch’s Weg hier aber noch lange nicht zu Ende ist, wird das wie oben schon angedeutet, unser erster zweiteiliger Artikel. Wie die Reise weiterging erfahrt ihr nächste Woche im zweiten Teil…